W.G. Sutherland (1873 – 1954) wurde in Portage County, Wisconsin geboren.

Wie sein Lehrer A.T. Still wurde auch er durch das ländliche Leben geprägt.

Er war zunächst im Druckereigeschäft tätig und wurde schließlich der Herausgeber des Daily Herald in Austin, Minnesota. Bei dieser Arbeit hörte er 1898 das erste Mal von A.T.Still und der Osteopathie. Er besuchte Still in seiner Schule und schrieb sich bald darauf ein. 1900 beendete er sein Studium.

Während seiner anatomischen Studien fiel ihm auf, das die Schädelnähte, insbesondere die des Schläfenbeins (Os temporale) ihn an die Kiemen eines Fisches erinnerten. Ein Grundsatz in derOsteopathie besagt, das Struktur und Funktion interagieren. Konnte es sein, das die Knochen des Schädels eine Art Atemmechanismus darstellen ?

Die gängige Lehrmeinung besagte das Gegenteil. So baute er allerlei Apparaturen, mit denen er die Schädelknochen fixierten konnte, um seine Annahme im Selbstversuch zu widerlegen. Es gelang ihm nicht. Ganz im Gegenteil stellte er fest, das verschiedene körperliche Symptome in Erscheinung traten, wen bestimmte Schädelknochen an ihrer Bewegung gehindert wurden. Selbst psychische Störungen traten in Erscheinung.

Daraufhin studierte er die verschiedenen Bewegungen des Schädels und den damit einhergehenden „Atemmechanismus“, der in der Fachterminologie primäre Respiration genannt wird. Er entwickelte Behandlungsmethoden, um fixierte Schädelknochen oder -nähte zu lösen, damit die primäre Respiration wieder ungehindert funktionieren kann.

Erst nach über 20 Jahren Forschung am Schädel publizierte er 1930 unter einem Synonym den ersten Fachartikel zum Thema craniale Osteopathie. Der Artikel polarisierte die Fachschaft, was ihn nicht davon abhielt, seine Forschungen noch zu vertiefen. Erst Mitte der 1940er berichtete er selbst in seinen Vorlesungen vom primären respiratorischen Mechanismus, von der Potency und dem Breath of Live (Atem des Lebens).

Die craniale Osteopathie wird häufig auch separat gelehrt, ist aber ein wichtiger Bestandteil der Osteopathie. W.G. Sutherland war es immer wichtig, die craniale Osteopathie im Kontext der Osteopathie zu betrachten. Sie fordert vom Osteopathen sehr viel Fingerspitzengefühl um dem Breath of Live mit „klugen Fingern“ den Weg zu bereiten.

Anmerkung: Der Begriff „mit klugen Fingern“ wurde von W.G. Sutherland geprägt

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